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Studentenwohnheime
LSVB

 

s. Meldung der Internationalen Studentischen Presse-Agentur (ISPA)

zur Site von Siegmunds Hof

Studentische Selbstverwaltung Siegmunds Hof e. V.
Siegmunds Hof 2-4
10555 Berlin

 

An den Vorstand des Studentenwerkes Berlin

09.04.2001

Betreff: Pläne zum Umbau / zur Umstrukturierung des Wohnheims

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

bezugnehmend auf die Pläne des Studentenwerkes Berlin möchten wir, die Studentische Selbstverwaltung Siegmunds Hof e.V., vertreten durch den Vorstand, folgende Erklärung abgeben:

Die geplanten Umbaumaßnahmen, sowie die Pläne, das Wohnheim in ein reines Stipendiatenwohnheim umzufunktionieren stoßen befüns auf große Befürchtungen, die wir hier begründen werden. Die genannten Umbaumaßnahmen sind in soweit konkret, da schon ein Architektenbüro damit beauftragt wurde, Pläne und Kostenaufstellung hierfür zu erstellen. Auch haben sich diese Befürchtungen bei der Teilnahme an der Vorstandssitzung am 22.03.2001 des Vorstandes des Studentenwerkes erhärtet.

1. Wir befürchten einen Zusammenbruch des kulturellen Lebens im Studentenwohnheim. Durch eine buchstäbliche "Ghettoisierung" werden ausländischen Studierenden nicht die Möglichkeiten geboten, die sie bei einem Studienaufenthalt in Deutschland suchen. Eine Isolation wäre die Folge, wodurch soziale Probleme nur geschürt würden. Auch behindern die Pläne den europäischen Integrationsprozeß, es würde zu einer erhöhten Ausgrenzung der ausländischen Studierenden kommen , da keine soziale Einbindung stattfindet.

2. Weiterhin sehen wir in Zeiten, in denen verstärkt rechtsextremistische Gedanken in der gesamten deutschen Gesellschaft aufkommen, ein Handeln gegen diese Tendenz für nicht nur notwendig, sondern strengstens geboten. Hierzu trägt das vielfältige studentische Leben bei, indem es "Begegnungen der Kulturen" fördert und völkerverständigende Wirkung hat. Dieser sozialen Verantwortung muß sich auch das Studentenwerk mit seinem besonderen Aufgabenbereich stellen.

3. Die Aufrechterhaltung des Angebots der Studentischen Selbstverwaltung Siegmunds Hof e.V., im folgenden "SV" genannt, könnte nicht mehr gewährleistet werden. Das bedeutet, daß das Angebot ganz wegfallen würde. Namentlich betrifft dies besonders die Bereiche:

a) Bierkeller, der Kneipenbetrieb der SV, der eine Zentrale Begegnungsstätte zwischen Studenten ist. Diese Einrichtung wird von ca. 85 - 90 % der Bewohner genutzt.

b) Fitnessraum, der von ca. 10 - 15 % der Bewohner genutzt wird.

c) Musikräume, die von ca. 10 - 15 % der Bewohner genutzt werden.

d) Computer-Pool, Boots-Verleih, Grill-Verleih, Sportgeräte-Verleih, diese Bereiche werden von ca. 10 - 20 % der Bewohner genutzt.

e) Gäste- und Praktikantenzimmer und -betreuung

f) Fotolabor

g) Zeichenraum

h) Wasch- und Trocknerraum, der von ca. 85 - 90 % der Bewohner genutzt wird

i)Werkstatt

j) weitere Bereiche

Es ist unzweifelhaft, daß der Wegfall dieser Angebote eine wesentliche Verschlechterung der Wohnqualität mit sich ziehen würde. Von Stipendiaten könnten die verwaltungstechnischen - finanztechnischen etc. - Aufgaben nicht geleistet werden, da hierfür besondere Erfahrungen in der Buchhaltung sowie Kenntnisse des deutschen Rechts erforderlich sind. Viel wesentlicher ist jedoch in Bezug hierauf, daß eine Kontinuität gegeben sein muß. Studierende, die leitende Funktionen in der SV übernehmen wollen, müssen zum einen, schon wegen der Erfahrungsvoraussetzung, einige Zeit hier wohnen und zum anderen für mindestens 2-3 Semester hier wohnen bleiben, damit die Arbeit geleistet wird und Nachfolger eingearbeitet werden können. Stipendiaten wohnen im allgemeinen max. 2 Semester (9 Monate) hier. Durch diese Tatsache müßte in o.a. Fall der Betrieb der SV eingestellt werden.

Weiter ist die SV Siegmunds Hof e.V. ein besonderes kulturelles Erbe, daß es zu schützen gilt. Die Studentische Selbstverwaltung besteht seit über 40 Jahren und ist seit Mitte der 80'er Jahre eingetragener Verein im Vereinsregister Charlottenburg. Nur durch diese jahrelange Tradition konnte das Angebot in der SV kontinuierlich aufgebaut und erweitert werden. Zudem kann die SV als "Keimzelle studentisch - kulturellen Lebens" betrachtet werden und stellt somit einen wichtigen Beitrag in unserer Gesellschaft dar.

Die Pläne des Studentenwerkes sind unrealistisch. In Zeiten, in denen das Studentenwerk über finanzielle Engpässe klagt, sollen Umbaumaßnahmen in Höhe von mindestens 18,5 Mio. DM stattfinden, wobei die tatsächlichen Kosten noch höher liegen dürften.

Sollten die Gelder hierfür (eventuell von dritter Stelle) bereitgestellt werden können, so ist der Nutzen dieser Umbauarbeiten in jedem Fall äußerst zweifelhaft (nähere Ausführungen zu den Plänen des Architekten finden Sie in Anlage 1). Nach eigenen Angaben des Studentenwerkes wird hierdurch "hochwertiger Wohnraum" geschaffen. Die Mieten hierfür lägen bei ca. 500 DM pro Person. Im Augenblick sind sie halb so hoch. Für Stipendiaten ist dies unzumutbar, da diese vorwiegend billigen Wohnraum suchen und keine "Luxusappartments". Desweiteren sollte darüber diskutiert werden, ob der Wegfall von über 100 Wohnheimplätzen gerade in Anbetracht der finanziellen Schwierigkeiten für das Studentenwerk akzeptabel ist.

Fazit: Wir sehen es als Chance, multikulturelles Leben im studentischen Bereich zu erhalten, um damit Völkerverständigung und den Prozeß der europäischen Integration durch "gemischtes" Wohnen, wie es derzeit im Studentenwohnheim Siegmunds Hof stattfindet, zu fordern . Die Pläne des Studentenwerkes über die Umfunktionierung des Studentenwohnheims in ein reines Stipendiatenwohnheim stehen dem erstens entgegen. Zweitens sind die generellen Umbauarbeiten des Wohnheims auch aus wirtschaftlicher und wohnungspolitischer Sicht kaum zu rechtfertigen.

Auf Grund dessen nahmen ca. 25 Wohnheimsbewohner (z.T. auch des Vorstandes der SV) an der Sitzung des Vorstandes des Studentenwerkes am 22.03. 2001 teil.
Obwohl unser Belang angesprochen wurde, schenkte man der studentischen Seite nur selten Gehör und es wurden sogar seitens des Vorsitzenden Herrn Fink teilweise Wortmeldungen der Bewohner bewußt übergangen. Dieses Verhalten fordert weder den Dialog zwischen Mieter und Vermieter (Studenten und Studentenwerk), noch trägt es zur Lösung des Problems bei. Wir hingegen möchten den Dialog fordern und setzen uns diesbezüglich mit Ihnen als Vorstand des Studentenwerkes in Verbindung, um bei einer Besichtigung des Wohnheims Gespräche anzuregen.

Die Einladungen für die Besichtung des Studentenwohnheims Siegmunds Hof werden; Ihnen in Kürze zugehen.

Wir würden uns freuen, von Ihnen Nachricht zu erhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Für den Vorstand

 

                                 

^Vorstandsmitglied A~                                                                                                                         Vorstandsmitglied

Wir würden uns freuen, von Ihnen Nachricht zu erhalten. Mit freundlichen Grüßen Für den Vorstand

Anlage l

 

Im Folgenden gehen wir näher auf die konkreten Planungen des Architekten ein, die uns zur Stellungnahme vorliegen:

Im Allgemeinen steht zu Bedenken, dass das Vorhaben, hochwertigen Wohnraum zu schaffen, nicht erfüllt werden kann, da dazu die Möglichkeit bestehen muss, die Möblierung variabel zu gestalten. Dieses ist in keinem der geplanten Appartments möglich. Ferner stellt die Unterschreitung der DIN-Werte bezüglich der Abstands- und Bewegungsflächen eine nicht unerhebliche Minderung der Wohnqualität dar. Das betrifft im Speziellen die Appartment-Typen AI, A2, Bl, B2, B3, B4, Cl und C2.1.

In den Appartment-Typen AI, A2 und B l fällt weiterhin negativ auf, dass die Betten in unmittelbarer Nähe zu Fluren bzw. Fahrstühlen angeordnet sind. Aus eigenen Erfahrungen stellt der dort vorherrschende Geräuschpegel eine nicht zumutbare Belastung dar, welche den Anforderungen an eine hochwertige Wohnsituation nicht entspricht. Desweiteren ist beim Appartment-Typ B l ein Wohnraumverlust zu kritisieren, der auch nicht durch den Gewinn einer eigenen Pantry-Küche und eines Duschbades wettgemacht werden kann. Da die Zimmer selbst in der jetzigen Form in ihren Ausmaßen beschränkend sind, würde die Reduzierung der Fläche um ein Drittel diesen Zustand nur weiter verschlimmern.

Bei den Appartment-Typen B2 und B3 steht zu bedenken, dass der Verlust eines Gemeinschaftsraumes und einer Gemeinschaftsküche die kommunikative Komponente unter den Etagenbewohnern (Stipendiaten) auf ein Minimum reduzieren würde, was dem Sinn und Zweck eines Auslandsstipendiums entgegenwirken würde. Gerade diese Räume stellen eine Plattform für die zwischenmenschlichen Kontakte dar.
Auch für den Appartment-Typen C3 trifft dies zu, wobei hier erschwerend hinzukommt, dass die Limitierung der Loggia-Nutzung auf nur eine Person nicht erstrebenswert ist. ^


Fazit

Wir sind der Meinung, dass die Planungen des Architekten sehr oberflächlich und wahrscheinlich unter Zeitdruck ausgeführt worden sind. Neben den o.a. Gründen, die gegen eine Umstrukturierung in ein Stipendiatenwohnheim sprechen, erachten wir den Umbau in der uns vorliegenden Form als nicht sinnvoll und für die Belange von Stipendiaten nicht prädestiniert. ;

Unseres Erachtens stellt ein teilweiser Umbau (z.B. 4-5 Häuser unter Berücksichtigung der oben genannten Kritikpunkte) die wesentlich bessere Lösung dar. Eine Integration der Austauschstudenten durch die gebotene kulturelle Infrastruktur sowie die Überbrückung der Leerstandszeiten durch die Nutzung als Tageshotel o.a. wären ohne weiteres möglich.

Bezugnehmend auf die Wirtschaftlichkeit des Studentenwohnheims Siegmunds Hof möchten wir folgendes anmerken: Um eine kostendeckende Bewirtschaftung sicherzustellen, sollten nicht die Gemeinschaftsräume beseitigt werden, sondern verschiedene Investitionen mit dem Hauptziel der Energieeinsparung durchgeführt werden. Aus den jetzigen Plänen sind solche Maßnahmen nicht ersichtlich. Unter anderen sind im Siegmunds Hof auch viele nicht intensive Maßnahmen zu dem Zweck möglich.

s. Meldung der Internationalen Studentischen Presse-Agentur (ISPA)

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